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Bei diesem Bild handelt es sich um einen Comic. Die Geschichte ist in acht Bilder aufgeteilt und spielt sich an einem Bahnhof ab. 
Im ersten Bild sind drei Menschen abgebildet: ein Mann von der Deutschen Bahn mit der Funktion als Einstiegshilfe und zwei weitere Männer, die sich offenbar kennen. Der eine Mann hat einen Blindenführhund an der Hand und eine Blindenbinde zur Kennzeichnung am Arm. Es zeigt ein blauer Pfeil mit der Aufschrift „Einstiegshilfe DB“ auf den Blindenführhund. Der blinde Mann fragt den DB-Mitarbeiter „Heute wieder von Gleis 7?“, worauf der DB-Mitarbeiter mit „Ja“ antwortet. 
Im zweiten Bild steht der DB-Mitarbeiter links neben dem blinden Mann. Dieser befahl seinem Hund ihn zum Gleis 7 zu führen, welches durch eine Sprechblase deutlich gemacht wurde, und somit machten sich der Hund und sein Herrchen auf den Weg. Der DB-Mitarbeiter fragt den Freund „Kann der Hund lesen?“. Dieser antwortete mit „… Klar!“. 
Im dritten Bild stehen nun alle drei Männer, sowie der Hund auf Gleis 7. Dieses wird durch ein Schild im oberen rechten Bildabschnitt mit der Aufschrift „Gleis 7“ signalisiert. Der blinde Mann fragt den DB-Mitarbeiter „Welcher Wagen?“, dieser antwortet „Wagen 22“. Der blinde Mann gibt dem Hund den Befehl „Sam, Wagen 22“.
Im vierten Bild stehen nun die zwei Freunde zufrieden am Gleis. Sam hat sich hingelegt, vor die Füße von seinem Herrchen. Der DB-Mitarbeiter steht rechts neben den zwei Freunden im Bild. 
Im fünften Bild ist der Zug bereits eingefahren und die Tür von Wagen 22 hielt genau vor ihnen. Die Nummer des Wagens ist durch ein gelbes Schild mit der Zahl 22 kenntlich gemacht worden. Der DB-Mitarbeiter ist sichtlich verdutzt über das Vorgehen. 
Im sechsten Bild fragen die zwei Freunde, welche Plätze sie haben. Der DB-Mitarbeiter antwortet „116 und 118“. Der blinde Mann sagte zu seinem Hund „Okay Sam, Platz 116 und 118“.
Im siebten Bild sieht man die zwei Freunde im Zug auf ihren reservierten Plätzen sitzen. Die Nummern sind jeweils mit einem kleinen Schild über den zwei Sitzen an der Wand symbolisiert. Beide mit einem Lachen im Gesicht und roten Wangen. Der Freund winkt dem DB-Mitarbeiter durch das Fenster. Dieser steht am Bahnsteig und kratzt sich nachdenklich am Kopf. Sam sitzt auf dem Boden, den Kopf zu seinem Herrchen zugedreht und wird von diesem gestreichelt. 
Im achten und letzten Bild ist eine Sprechblase abgebildet mit folgendem Inhalt: „Der Trick: Sam hatte sein Training für diesen Zug, der immer am gleichen Gleis eintraf.“.

Kann der Hund lesen?

Diese Frage stellte uns tatsächlich ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn in Stuttgart.

Hans Peter und ich, beide visuell uninteressiert, waren mit Sam, dem Führhund von Hans Peter, auf dem täglichen Weg zum Bahnhof, um wieder ins Badische zu fahren.

Ordnungsgemäß meldeten wir uns bei der DB Information an und es dauerte auch nicht lange, da begrüßte uns ein freundlicher älterer Herr.

Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln fragte Hans Peter: „Auf welchen Bahnsteig müssen wir?“

„13“ lautete die Antwort. Um sicherzugehen, blätterte er nochmal in seinen Unterlagen.

„Ja, Gleis 13 dort fahren die Züge in Richtung Karlsruhe“ schob er noch hinterher.

„Sam, gehe zu Gleis 13“ hörte ich Hans Peter sagen.

Der Hund setzte sich in Bewegung. Hans Peter hing im Schlepptau von Sam und ich hatte mich beim DB-Mitarbeiter eingehakt.

Ich spürte, wie es bei ihm im Kopf arbeitete. Und dann konnte er nicht mehr anders und flüsterte mir zu: „Kann der Hund lesen?“

Einen Moment lang überlegte ich, ob das eine ernst gemeinte Frage war und ob ich ihm höflich erkläre, dass Sam nicht lesen könne. Höchstens mit der Nase und da mit Vorliebe alles Essbare.

Mein Schalk in mir empfahl eine andere Antwort: „Klar kann Sam lesen“.

Vorbereitet auf weitere Fragen begann ich mir eine Geschichte zu überlegen wie ich aus der Nummer wieder rauskomme. Dass die Frage ernst gemeint war, konnte ich mir immer noch nicht vorstellen.

Es kam keine Frage mehr.

Stattdessen merkte ich wie er den Hund aufs Genauste beobachtete.

Angekommen am Gleis 13 ließ Sam sich gemütlich nieder und Hans Peter fragte nach der Wagennummer.

Vertieft in dem Gedanken Sam kann lesen, brauchte er eine Weile bis er die Wagennummer gefunden hatte.

„Wagen Nummer 9“ hörte ich ihn sagen.

Gott sei Dank hat er Sam den Zettel nicht vor die Nase gehalten, der hätte ihn zwar nicht gelesen, aber sicher gefressen.

„Sam bring uns zu Wagen 9“ flötete Hans Peter. Er hatte mitbekommen mit welch spannenden Fragen sich der DB-Mitarbeiter beschäftigte.

Sam erhob sich etwas gelangweilt und setzte sich erneut in Bewegung.

Urplötzlich blieb er stehen und ließ sich auf dem Bahnsteig nieder.

Der DB Mitarbeiter ließ ihn während der ganzen Wegstrecke nicht aus den Augen.

Ob er geschaut hat, ob Sam sich dem Wagenstandsanzeiger ansehen wird oder sonstige Informationen bezüglich des Wagenstandes erhascht?

Der Zug fährt ein und exakt an der Stelle wo Sam sich niedergelassen hatte, hielt der Wagen 9 und noch besser, Sam lag direkt auf Türhöhe.

Die Sprachlosigkeit stand dem DB-Mitarbeiter ins Gesicht geschrieben, wir konnten es ja nicht sehen, aber spüren. Er war fix und fertig. Traute sich aber nicht uns zu fragen wo Sam lesen gelernt hat.

„Welche Sitzplätze haben wir heute?“ fragte Hans Peter.

Hektisch, und immer noch auf der Suche nach der Lösung, erwiderte er: „116 und 118“.

Das Prozedere begann erneut. Hans Peter nannte Sam die Sitzplatznummern und dieser setzte sich in Bewegung und zog uns in den Zug.

Wir wussten, dass die Plätze im dritten Abteil am Fenster lagen. Lauthals bedankten wir uns bei Sam.

„Vielen Dank für die tolle Unterstützung“ riefen wir dem DB-Mitarbeiter noch zu „und Ihnen einen wunderbaren Feierabend“.

„Ihnen eine gute Reise“ hörten wir ihn rufen. In der Stimme war deutlich das Durcheinander in seinem Kopf zu hören, ob Hunde nun lesen können oder nicht.

Keine Sorge liebe Leserinnen und Leser, Sam kann fast alles, aber nicht lesen.

Das Mobilitätstraining mit Hans Peter und ihm fand an den Tagen statt, an denen der Zug immer auf demselben Gleis einfährt und es dieselbe Wagennummer war.

Wären wir früher gefahren, wäre Sam totsicher zum nächsten Cateringstand gelaufen, aber nicht auf das richtige Gleis.

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